Die Dramaturgie

 

 

OSKAR: Jetzt möchte ich in deinen Kopf hineinsehen können, 
ich möchte dir mal die Hirnschale herunter und nachkontrollieren, 
was du da drinnen denkst –
MARIANNE: Aber das kannst du nicht.
OSKAR:  Man ist und bleibt allein. 
Ödön von Horváth
Geschichten aus dem Wiener Wald

 

Zwei große Arbeitstische, umgeben von unzähligen Büchern der Bibliothek, bilden die Herzkammer meiner analogen Theaterwelten, meinen Denkraum. An dem einen ausziehbaren Holztisch, der nahezu den gesamten Raum für sich in Anspruch nimmt, wird gelesen, skizziert, notiert und nachgedacht. Auf ihm werden die gesammelten Materialen gesichtet und geordnet, Konzepte entwickelt und wieder verworfen, Manuskripte zusammengestellt und mit Bühnenräumen experimentiert. Die Recherche im Netz oder das Schreiben von längeren Texten sowie Mails findet am gegenüberstehenden, zweiten Tisch statt. Damit sind, gedanklich und räumlich, die einzelnen Arbeitsbereiche und Vorgänge zumindest etwas von einander getrennt. So konnte ich auf kleinstem Raum etwas Struktur schaffen, die ich für meine Arbeit und für die Entwicklung der Projekte benötige. 

Für die digitalen Theaterwelten habe ich mir mit den einzelnen Theaterräumen ebenfalls eine Struktur ausgedacht, die es dem Besucher thematisch erleichtern soll, meine Projekte mitzuverfolgen. Wie in einem realen Theater entsteht im Zusammenspiel der einzelnen Abteilungen eine Inszenierung bzw. ein Projekt. In der Dramaturgie, meinem Denkraum, versammeln sich sowohl analog wie auch digital all die Ideen, Inspirationen und Gedanken, um weiter entwickelt zu werden. Gerade der damit verbundene spielerische Aspekt und das öffentliche Denken und Bespielen der digitalen Theaterräume beleben mein Arbeiten nachhaltig. 

Das Theater als öffentlichen Raum von Beginn an denken, das ist mein Anliegen mit diesem öffentlich geführten Arbeitsjournal. Die Dramaturgie eines Theaters von morgen darf und kann nicht mehr im Verborgenen stattfinden. Gerade das digitale Zeitalter, das wir mitdenken und mitgestalten dürfen, öffnet uns Theaterschaffende neue Räume und Möglichkeiten und gibt uns die Chance, Theater noch mehr als ein teilhabendes Medium zu denken. 

Hier in der Dramaturgie findet ihr Blogbeiträge rund um die projektbezogene Recherche und vertiefende Gedanken zu den Themen sowie Materialien und Texte über das Weiterdenken der Rollen bzw. des Projekts. Biografisches und historische Notizen könnt ihr ebenso mitnehmen, wie Eindrücke von inspirierenden Besuchen in Museen, Ausstellungen und Theatern.

 

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Blick in den Denkraum, auf meinen Arbeitstisch. Umgeben von unzähligen Büchern wird hier an den Projekten und Inszenierungen gearbeitet.